Über mich, die Kräuterfrau 

... und wie wird eine überhaupt Kräuterfrau?

Annette mit Baldrian
Annette mit Baldrian

 

Kräuterfrau - oder Kräutermensch  - kann werden, wer sich mit Geduld und genauem Hinsehen in die Botanik der Pflanzen ringsum einarbeitet. Oder einer inneren Sehnsucht folgt.

Das kann unmerklich beginnen, durch liebgewonnene Familientraditionen, z.B. Bärlauch pflücken gehen oder zum Maifest Waldmeisterbowle trinken, Omas Sauerampfer-Süppchen kochen - dann und wann. Es kann damit beginnen, dass eine die Kräuter rufen. Dann fällt der Blick ständig auf was Grünes, immer das gleiche Zeug und irgendwann hockt sie davor, reibt und riecht, fühlt, knabbert - die Spur ist aufgenommen. 

 

Ausbildung in "Jute-statt-Plastik-Zeit"

 

Um viel in der Natur zu sein, wurde ich Ende der 80er Jahre Baumschul-Gärtnerin. Das war naheliegend und hatte zunächst nichts mit Wildkräutern zu tun. Aber mit Botanik und Bodenkunde, Lebenskreisläufen von Insekten und Wetterbeobachtungen. Als Gärtnerin arbeitete ich in einem Gartencenter, fuhr für drei Monate nach Suffolk, GB, der berauschend unerschöpflichen Sortimente wegen und begann im gleichen Sommer die Technikerausbildung. 1990 hatte ich den Abschluß "Gartenbau-Technikerin Fachrichtung Baumschule" in der Tasche und arbeitete erst einmal in einer münsterländischen Gasthaus-Küche. Weiter ging es mit einem zwei Jahre dauernden Volontariat bei der Fachzeitschrift "Deutsche Baumschule" und anschließenden zwei Jahren in der Redaktion.

1995 kündigte ich und machte mich selbständig als Fachjournalistin. Es entstanden Reportagen in Polen, Belgien, den Niederlanden sowie in der Schweiz. In 2002 schrieb ich ein Sonderheft Rosen und Stauden für den Deutschen Gartencenterverband sowie eine Broschüre "Stauden" bei der CMA, Bonn in 1999. Mein Buch erschien 2005 im Gräfe und Unzer Verlag: Ziergehölze, üppig und gepflegt.

 

Innerlich und äußerlich

 

Nach 2005 ging nichts mehr. Pflanzen als Dekoobjekt vermarkten, immer wieder das Rad antreiben: Industrielle Pflanzenproduktion, Vermarktung, Verkauf, Verbrauch, Entsorgung - ich stieg aus, weil ich erkannte, dass Pflanzenproduktion und -konsum nicht automatisch "positiv" sind. "Pflanzen sind Lebewesen, sogar Verbündete und wollen verstanden werden. Ohne Pflanzen geht gar nichts auf der Erde. Die Erde selbst braucht Schutz und Pflege."

 

Die Gartentür zum Produktionsgartenbau schloß ich leise und nachdrücklich hinter mir. Und stand in der Wildnis. Da waren es zuerst die Pastinaken mit ihrem gelbgrünen Doldengewisper, die mich anzogen und faszinierten. Und so kam eine zur anderen. Beim gelegentlichen Verwildern im Bauwagen, nahe an den Wacholdern und Magerrasen-Kräutern im Diemeltal, fand ich innerlich neu zu den Kräutern in der Natur. Äußerlich wurde ich Kräuterfrau durch die Zusammenarbeit mit Wolfgang Schultz in seiner Landhausküche in Kelze ab 2009 - heute Deutsche Eiche, Grebenstein. Hier sammelte ich fünf Jahre lang Wildkräuter-Wissen aus der Landschaft und in der Restaurant-Küche.

 

Neu: Seit Frühling 2014 arbeite ich nicht mehr für die Küche der "Eiche". Ich bin zu 100 % freischaffende Kräuterfrau.